Venedig will Olympia 2020

Die Lagunenstadt plant Spiele im gesamten Veneto

05.02.2010 Klaus J. Schwehn

Unverdrossen bewirbt sich Venedig mit seiner Region für die Austragung der Olympischen Spiele des Jahres 2020 - in harter Konkurrenz zur Ewigen Stadt Rom.

Turmspringen von der Rialto-Brücke, Achter-Rudern auf dem Canal Grande, klirrendes Pistolenschießen auf der Glasbläserinsel Murano – das wäre etwas. Die Lagunenstadt Venedig jedenfalls ist fest entschlossen, sich für die Olympischen Sommerspiele des Jahres 2020 zu bewerben. So sind die Voraussetzungen: Die Italiener rechnen fest damit, dass diese Spiele in zehn Jahren wieder in Europa stattfinden werden, und weil sie im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) gut vertreten sind, eine starke Pressure-Group haben, gehen sie von Spielen auf der Apennin-Halbinsel aus. Allerdings hat Venezia mit der Ewigen Stadt Rom einen mehr als starken Konkurrenten, denn im Nationalen Olympischen Komitee dominieren die Nachfolger von Romulus und Remus.

Nicht in den engen Mauern einer Stadt

Aber Venedigs Bürgermeister Massimo Cacciari, Anhänger der Partei der Grünen und Philosoph, bleibt unverdrossen. Er baut auf das Argument, Olympische Spiele müssten nicht allein in den engen Mauern einer einzigen Stadt stattfinden; davon könnten auch die Menschen einer ganzen Region profitieren. Also heißt Venedigs Konzept für Olympia 2020: Das ganze Veneto soll teilhaben können.

Von Verona über Triest bis Tessera

Im April 2010 soll Cacciaris Konzept beim Nationalen Olympischen Komitee auf den Prüfstand. Die Rialtobrücke, der Canal Grand und Murano sind nicht als Wettkampfstätten eingeplant. Das Projekt sieht stattdessen so aus:

In Verona, Udine, Vicenza und Triest soll das olympische Fußballturnier stattfinden; in Treviso die Kanu-Wettbewerbe, Rugby und Radfahren; in Padua Reiten, Schießen und Badminton; dann in Venedig selbst, im Parco San Giuliano, Hockey, Bogenschießen; Jesolo ist für den Marathonlauf und Beach- Volleyball eingeplant. Zentrum des olympischen Geschehens soll Tessera (östlich von Mestre) werden, vor allem mit der Leichtathletik und einer Reihe anderer Sportarten, darunter der Fußball-Endrunde, Ringen, Schwimmen und Handball. Die Organisatoren wollen schließlich den venezianischen Vega Park (Handball, Gymnasik) und natürlich den Lido integrieren. Dort sollen die Golfer, die Rad-Bahnfahrer, die Segler und die Handballer ihre Wettkämpfe austragen.

Mit den Winterspielen wurde es nichts

Venedig hatte schon einmal besonderen olympischen Ehrgeiz. Mit den Alpen im Rücken hatte sich die Stadt 1998 für die Olympischen Winterspiele 2006 beworben und war Turin unterlegen. Jetzt haben die venezianischen Planer rund 130 Abgeordnete und Senatoren aus dem Veneto, dem benachbarten Friul und aus Trento mobilisiert; sie sollen in Rom als Lobbyisten für das Vorhaben wirken. Sie alle wissen, die Austragung olympischer Spiele kostet schätzungsweise 15 Milliarden Dollar – der Ertrag für Stadt und Region, auch mittelfristig, läge allerdings weit höher.

Die Ewige Stadt hat aber die Nase vorn

Der Wettstreit zwischen Venedig und Rom, im April 2010 fällt die nationale Entscheidung, hat also seine politischen, sportlichen und ökonomischen Facetten. Im politischen Italien hat heute die Ewige Stadt die Nase vorn. Aber Venedig sagt, dort waren sie schon einmal – im Jahr 1960. Jetzt sei der Wechsel fällig. Falls Italien die Spiele überhaupt erhält. Im Jahr 2012 wird man es wissen.

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Endstation Venedig?, Diogenes Endstation Venedig?
   
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