Der Sport im WandelÜber die Auswirkungen gesellschaftlicher Veränderungen
In Deutschland hat sich das Wertebild, die Freizeitgestaltung und als Konsequenz daraus die Stellung des Sports in den letzten Jahrzehnten grundlegend verändert.
In den letzten Jahrzehnten vollzog sich in Deutschland ein Prozess enormer gesellschaftlicher Entwicklungen und struktureller Veränderungen. Die Lebensbedingungen verbesserten sich und mit dem technischen Fortschritt stiegen die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Immaterielle Werte des Lebens wurden wichtiger. In Deutschland verlor das Arbeitsethos an Bedeutung, die Arbeitsmoral änderte sich. Werte wie Fleiß und Ehrgeiz verloren an Bedeutung; Werte, die die Autonomie des Individuums ermöglichen, wurden hingegen wichtiger. Beeinflusst durch diese allgemeinen und gesellschaftlichen Wandlungstendenzen fanden im Sport in den letzten Jahrzehnten entscheidende Veränderungen bezüglich der Wertestruktur statt. Verfügte der Sport in den 1950er/60er-Jahren im Freizeit- und Leistungssport noch über ein relativ einheitliches Wertemuster, das hauptsächlich von Leistung, Konkurrenz und Disziplin getragen wurde, änderte sich dies nach und nach. Die Herausbildung neuer Wertemuster in der Gesellschaft beeinflussten zunehmend auch den Sport. Die Persönlichkeitsentwicklung und Selbstverwirklichung gewannen für Sporttreibende an Bedeutung, die Menschen wurden von einem Lebensstil erfasst, der sich durch Genussorientierung, Offenheit und Aufgeschlossenheit auszeichnete. Sportangebot ist großNoch nie hatten Menschen so viele Entscheidungsspielräume bei der Wahl sportlicher Betätigungen wie heute. Die Zahl der Sporttreibenden steigt weiter an. Für immer mehr Menschen werden Sportaktivitäten zu selbstverständlichen Elementen ihrer alltäglichen Lebensführung, dies auch aufgrund der wachsenden Wahlmöglichkeiten, wodurch sie die verschiedenen Varianten des Sporttreibens in ihre Lebensführung eingliedern können. Selbst Frauen und Senioren, Bevölkerungsgruppen, die sich früher kaum sportlich betätigten, finden im 21. Jahrhundert Zugang zum Sport. Im Zuge dieser Ausbreitung und Ausdifferenzierung kommt es zu einer Veralltäglichung und zu einer Individualisierung sportiver Praxen. Diese Individualisierung ist ein wesentliches Merkmal des Wertewandels im Sport. Doch mit der Zunahme an Individualisierungsprozessen kommt es zu einer gleichzeitigen Entindividualisierung im Sinne einer erhöhten Austauschbarkeit von Personen infolge von Mobilitätsprozessen und Fragmentierung. Funktionen des SportsDer Mensch hat es in der Leistungsgesellschaft schwer, sich zu verwirklichen, weil im bewegungsarmen Alltag der Arbeitswelt die geistigen Leistungen allzu einseitig beansprucht werden und die körperlichen Fähigkeiten verkümmern. Somit sind die Funktionen des Sports heute alles andere als nebensächlich. Sportaktivitäten sind zur Verbesserung alltäglicher Handlungsfähigkeit geeignet, Sport hilft soziale Bindungen aufzubauen und bietet Möglichkeiten für sozialen Einsatz. Sport wirkt auf emotionale Befindlichkeiten, ist Element sinnvoller Freizeitbeschäftigung. Sport kann zum Erhalt und zur Steigerung der körperlichen Fitness beitragen; Sport hat eine wichtige gesundheitserhaltende Funktion. Somit erfüllt Sport in der modernen Gesellschaft wichtige biologische, pädagogische und soziale Funktionen. Herausforderungen für den SportIn Deutschland kommt es durch Geburtenrückgang und steigende Lebenserwartung zu einer Veralterung der Gesellschaft. Diese Entwicklung wird sich in überschaubarer Zukunft fortsetzen. Im Jahre 2030 dürfte mehr als ein Drittel der deutschen Bevölkerung über 60 Jahre sein (1910 lag der Anteil dieser Bevölkerungsschicht im Deutschen Reich bei acht Prozent). Somit ergeben sich in der Zukunft besondere Herausforderungen für den Sport: Die Nachfrage nach Sportangeboten für Ältere steigt, das Angebot muss dieser Nachfrage entsprechend angepasst werden. Personal, das die Älteren betreuen und anleiten kann, ist auszubilden; Sportstätten müssen ausgebaut und eingerichtet werden. Quellen: - Baur, Jürgen u.a.: Seniorensport in Ostdeutschland. Meyer & Meyer 1996 - Opaschowski, Horst W.: Pädagogik der freien Lebenszeit. Leske + Budrich 1996 - Opaschowski, Horst W.: Deutschland 2030: Wie wir in Zukunft leben. Gütersloher Verlagshaus 2008
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