Golf 2016 wieder olympische Disziplin

Golf und Rugby vom IOC ins Programm der Sommerspiele aufgenommen

14.10.2009 Felix Reid

Die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro sind um zwei Sportarten reicher geworden. Die beiden massenhaft verbreiteten Ballspiele Golf und Rugby sind wieder dabei.

Was vom Internationalen Olympischen Komitee bereits im August beschlossen war, wurde am 9. Oktober 2009 von der IOC-Vollversammlung in Kopenhagen bestätigt: In den sportlichen Disziplinen Golf und 7er-Rugby sollen zu den Olympischen Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro wieder Medaillen vergeben werden. Höchste Zeit, so einige Anhänger der weit verbreiteten und von Millionen Aktiven heiß geliebten Sportspielen – darunter übrigens auch Tiger Woods und Jacques Rogge. Tiger Woods will seine unvergleichliche Karriere als Golf-Pro und erster Sportler-Milliardär mit einer Goldmedaille krönen. Welche Eigenschaft des amtierenden IOC-Präsidenten ihn zu der Unterstützung der Rugby-Bewerbung bewegt hat, ist hingegen fraglich – seine eigenen Rugby-Erfahrungen als belgischer Nationalspieler oder doch seine geschäftlichen Aussichten als orthopädischer Chirurg?

Beginn der kurzen Geschichte des Olympischen Golfspiels

Bereits im Jahr 1900 im Rahmen der Pariser Weltausstellung und des integrierten Programms der Concours Internationaux d’Exercices Physiques et de Sports als erste Olympiade der Neuzeit wurde sowohl Golf als auch Rugby gespielt. Zwar gab es damals bereits internationale Beteiligung, Siegesplaketten aus Edelmetall und sogar Wettkämpfe speziell für Frauen, doch die Veranstaltungen hatten wenig mit den heutigen medialen Großereignissen zu tun und hießen auch noch nicht offiziell Olympische Spiele. Die Wettkämpfe fanden vestreut über die Pariser Region und über fünf Monate verteilt statt. Austragungsort fürs Golf war der 9-Loch-Platz der Société du Sport in Compiegne, weit nördlich von Paris gelegen. Bei den Herren gewann Charles Sands aus New York den Wettbewerb über 36 Löcher – übrigens ebenfalls als Tennisspieler angetreten, wenn auch weniger erfolgreich – gefolgt von den Briten Walter Rutherford (Jedburgh Golf Club) und Davis Robertson (Troon Golf Club). Bei der Damenrunde über gerade einmal neun Löcher setzte sich Margaret Abbott aus Chicago nicht nur gegen die ausschließlich aus den USA und Frankreich stammende Konkurrenz durch, sondern auch gegen ihre Mutter Mary Abbott, die Siebte wurde.

Vorläufiges Ende der Golfgeschichte bei Olympia

1904 im US-amerikanischen St. Louis war der olympische Sport immer noch der gleichzeitig stattfindenden Weltausstellung untergeordnet, doch zumindest die Vorbereitung ließ schon etwas mehr Professionalität erkennen. Der 1901 gegründete Glen Echo Golf Club bewarb sich erfolgreich um die Austragung des Golfturniers und versandte weltweit Einladungen zu internationalen Einzel- und Mannschaftswettkämpfen auf recht frischen Fairways und Grüns. Doch damals waren die Golfer wohl noch nicht so reiselustig, denn gerade einmal 72 Spieler aus den USA nahmen schließlich teil und nur drei Kanadier. Der Wettkampfmodus aus einer Mischung von Zähl- und Lochspiel begann mit einer Qualifikationsrunde über 36 Löcher. Im Finale setze sich der Kanadier George Lyon gegen Chandler Egan (USA) durch, während die Mannschaftswertung an die USA ging – von den sechs gemeldeten Teams aus 10 Spielern waren nur zwei angetreten, ein kurzerhand aus Einzelspielern rekrutiertes Team wurde Dritter. Im Jahre 1908 in London hätte der einzig gemeldete Spieler treffsichere Chancen auf eine Medaille gehabt, doch auch die folgenden Olympiaden mussten ohne golferische Beteiligung mangels Interesse vonstatten gehen – oder lag es doch an den Eigenheiten des Spiels, deren man sich bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts durchaus bewusst war?

Praktische Fragen der Olympischen Organisation: Wahl der Spieler und des Platzes

Eignet sich Golf als olympische Disziplin, wo persönliche Bestleistungen und messbare Rekorde die Zuschauermengen begeistern, oder wird es wie andere Mannschaftssportarten – und vielleicht auch Rugby – ein Schattendasein neben den etablierten Turnierserien wie Worldcups, Opens und Championships fristen? Und welche Sportler sollen miteinander antreten? – schon der Golfanfänger weiß schließlich: Es gibt keine Gegner, lediglich Mitbewerber. Also Golf-Pros der PGA? Nachwuchs-Hoffnungen der Tour Schools? Oder doch die Sieger der Geldrangliste? Das wäre wohl wenig im Sinn des olympischen Geistes. Jedenfalls scheint der Spielmodus festzustehen, der sich am Einzel-Zählspiel üblicher Turnierserien orientiert und jeweils für Damen und Herren über 72 Löcher und vier Tage ausgespielt werden wird. Doch auch die ganz praktische Frage nach dem geeigneten Platz zum internationalen Golfervergleich ist traditionell nicht ganz einfach, zumal Brasilien nicht unbedingt zu den Hochburgen des Gentlemen-Sports gehört. Rio de Janeiro hat zwar fast 14 Millionen Einwohner, aber nur zwei zentrale Golfanlagen, die beide in Länge und Slope-Wert kaum dem Spiel von Profi-Golfern gerecht werden.

Doch bis 2016 ist ja noch etwas Zeit, und die Verbände dürfen mit einem IOC-Zuschuss von 15 Millionen US-Dollar rechnen, um die Fairways und Greens in Topform zu bringen. Übrigens, wer sich bei der Vorbereitung auf die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio nicht für einen Neuzugang entscheiden kann, der ist mit der interessanten Mischung namens GolfCross bestens beraten. Bis sich aber solche Exoten der Sportwelt für Olympia qualifizieren, dürften noch einige Medaillenspiegel die Welt umrunden.

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