Mäzene im Sport – Abramovich & Co.Sind Sportmäzene für Vereine Heilsbringer oder Todesengel?
Frank Stronach oder gar ein Victor Abramovich bringen Geld und wollen Macht: eine Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile des Mäzenatentums für Sportvereine.
Die einen greifen tief in die eigene Geldbörse, um sich ein Hobby, vielleicht auch besser gesagt, ein Spielzeug zu leisten. Die anderen halten vorerst dankbar die Hand auf. Sportmäzene und Sportfunktionäre leben in einer Welt mit eigenen Gesetzen. Und in dieser Welt sind Konflikte vorprogrammiert. Warum? Das ist relativ leicht zu erklären. Konfliktpotenzial zwischen Vereinen und MäzenenWenn ein Mäzen sich sein Hobby ziemlich viel Geld kosten lässt, will auch im sportlichen Bereich mitgesprochen werden. Da bleibt dahingestellt, ob sinnvoll oder nicht. Vor allem, wenn er sich in der eigentlichen Materie nicht wirklich auskennt. Aber ehrlich, wer gibt schon eigenes Geld aus der Hand und will nicht mitbestimmen, was damit geschieht ? Auf der anderen Seite stehen die Vereinsfunktionäre, die immer und überall Geld für ihren Verein lukrieren wollen und müssen – auch wenn sie dabei ihre Seele verkaufen. Als schwächstes Glied in dieser Kette stehen die Sportdirektoren und Trainer. Ihre sportlichen Vorstellungen decken sich häufig nicht mit den Vorgaben der Mäzene. Abramovich überlegt: Wie lange behalte ich mein Spielzeug?Wer kennt diese Namen nicht ? Frank Stronach, Hannes Kartnig oder gar Victor Abramovich. Frank Stronach leistet sich den Renommierclub Austria Wien, Hannes Kartnig entledigte sich von Sturm Graz und Viktor Abramovich zieht die Fäden des englischen Kultclubs Chelsea. Wie lange behalten sie und ihre Mäzenatenkollegen sich ihr Spielzeug ? Eine Frage, die sich Mäzene kaum stellen werden. Da die Antwort darauf ohnehin klar ist – solange es Spaß macht. dies ist allerdings eine Frage, die über Sportfunktionären wie ein Damoklesschwert schwebt. Vor allem, wenn sie sich mit Haut und Haaren an einen Mäzen verkauften und eine vereinsinterne Struktur noch gar nicht fundamental aufgebaut war beziehungsweise vernachlässigt wurde. Einer der Hauptfehler, die in der Zeit eines Mäzenatentums ein Verein begehen kann, ist zwar hinreichend bekannt, will allerdings allzu oft nicht realisiert werden – die Pflege und solide Ausbildung des eigenen Nachwuchses. Gute Nachwuchsentwicklung kommt auch bei seriös ausgebildeten Trainern in der Relation billig und sollte das Fundament eines Vereins sein. Der Mäzen ist weg: Der Tag danachDer Rückzug eines Mäzens aus dem Geschehen beginnt für viele Vereine mit einer Katerstimmung, die oftmals in einem Kollaps endet. Im schlimmsten Fall mit der Liquidierung eines Clubs. Beispiele aus Österreichs Elitefußball gibt es genug: Grazer AK, FC Tirol, Superfund Pasching – die Liste ließe sich noch beliebig lang fortsetzen und auch auf andere Sportarten mühelos erweitern. Aber natürlich ist es auch eine Tatsache, dass im modernen Sportgeschäft Mäzene unverzichtbar sind. Gerade im Mannschaftssport steigt der finanzielle Aufwand stetig. Es wird nicht umsonst von Spielen gesprochen: Mannschaftssport ist Entertainment und Faszination der Massen. Ob sich Mäzene dabei als Heilsbringer oder Todesengel für einen Verein erweisen, hängt dabei von allen Beteiligten ab.
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